Eins ist glaube ich nach all den Untersuchungen jetzt ziemlich klar. Wenn man sich nur mit Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten beschäftigt, geht das am Thema vorbei. Egal, was man daran manipuliert, wovon man weniger oder mehr isst, wie sehr man auch Kalorien zählt oder sonst etwas – das alles wird nichts bringen, wenn die Hormone nicht mitspielen.

Hormone sind in unserem Körper für so gut wie alles verantwortlich. Sie entscheiden, ob wir zunehmen oder abnehmen. Sie entscheiden, welche Information sie innerhalb des Körpers weitergeben und wie und wo sie ankommt. Sie entscheiden, wie wir uns fühlen, und sie entscheiden, wie krank oder gesund wir sind. Sie entscheiden, was wir essen (wenn Essen in allen möglichen Variationen zur Verfügung steht).

Schon seit Jahren hört man immer wieder, dass Übergewichtige oft mangelernährt sind. Wie? Mangelernährt? Mit der Wampe, dem Po, den Oberschenkeln?

Tja, das bedeutet leider gar nichts. Denn dieses Fett kann man sich mit Dingen anfressen, die absolut keine Nährwerte enthalten, nichts, womit die Hormone unseres Körpers etwas anfangen können. Leere Kalorien sagt man gern dazu, und das ist gar nicht so falsch, denn diese Kalorien sind nährwertleer. Eine gefährliche Leere, die sich oft in Übergewicht niedergeschlagt, denn von leeren Kalorien kann man nicht sattwerden. Man braucht immer mehr davon, kann Berge davon essen. Kalorien, Kalorien, Kalorien – aber sonst nichts.

Auch Getränke fallen in diese Gruppe, insbesondere die völlig überflüssigen süßen Getränke, die sich so großer Beliebtheit erfreuen. Es würde niemandem etwas fehlen, wenn man die Supermarktregale mit diesen Getränken einfach leerräumen würde. Sie haben absolut keine Existenzberechtigung. Würde man aber nicht glauben, wenn man einen Supermarkt betritt. Und obwohl mittlerweile viele Leute wissen, dass diese Getränke nicht nur wertlos, sondern sogar schädlich sind, tut das ihrer Beliebtheit keinen Abbruch. Auch das ist hormonell bedingt, denn einmal an diese wertlose Nicht-Nahrung gewöhnt, werden wir süchtig danach. Da hilft dann wirklich nur noch ein radikaler Entzug, wie bei jeder Drogensucht.

Verzweifelt versucht der Körper, die überflüssigen, aber nun einmal vorhandenen Kalorien irgendwo unterzubringen, und unsere Fettpolster wachsen. Anfangen kann er damit nichts. Er kann sie nicht sinnvoll verwerten, denn sie enthalten ja nichts Sinnvolles. Einen kleinen Teil kann er verbrennen, aber normalerweise essen und trinken wir weit über unseren Bedarf hinaus, also bleibt immer etwas übrig, das die Fettberge an Hüften, Bauch und Oberschenkeln wachsen lässt.

Normalerweise sorgt das Hormon Leptin dafür, dass wir uns satt fühlen. Leptin wird von unseren Fettreserven gebildet, das heißt, wenn wir genug gegessen haben, sagt uns das Leptin, wir können jetzt aufhören, wir haben genug gespeichert. Wenn wir normal viel Körperfett haben, funktioniert das auch – jedenfalls bei den meisten – einwandfrei. Unser Körper sendet das Signal, dass er nichts braucht, also hören wir auf zu essen oder fangen gar nicht erst an.

Prima, das Hormon hat seinen Zweck erfüllt und legt sich erst mal wieder schlafen. Je mehr Fett wir jedoch einspeichern, desto mehr Leptin wird auch gebildet. Das Leptin sendet und sendet seine Signale, ist sozusagen im Dauereinsatz, aber wir hören nicht auf zu essen (oder nährwertlose Getränke in uns hineinzuschütten), also werden die Signale nicht mehr wahrgenommen. Man stelle sich nur ein Telefon vor, dass unter einer dicken Bettdecke begraben wird – in diesem Fall einer Fett-Bettdecke – und ständig klingelt. Hören tut es niemand mehr. So ähnlich läuft das auch in unserem Körper ab. Wir stapeln ein Kilo Fett aufs andere, aber wir können das Leptin nicht hören, das uns sagt, wir können jetzt aufhören, wir haben genug Reserven, von denen wir uns ernähren können.

Deshalb kann ein Mensch mit 200 Kilo Lebendgewicht durchaus glaubhaft versichern, er hätte Hunger. Das stimmt. Denn die Signale des Leptins kommen nicht mehr an. Er hat eine Leptinrestistenz entwickelt. Das heißt, da das Signal nicht mehr gehört wird, denkt sich unser Gehirn, es gäbe keine Fettreserven mehr im Körper, nicht genug Energie und sendet also:

„Hunger!“

Anscheinend – so stellt es sich für das Gehirn dar – lebt der Mensch in einer Hungersnot, denn das Leptin ist verschwunden, keine Nahrungsreserven, ganz gefährlich. Hält dieser Zustand an, dass keine Signale vom Leptin mehr kommen, wird es noch schlimmer: Die Hungersnot hält offensichtlich an, also müssen wir Energie sparen. Stoffwechsel runter. Das erklärt sehr gut, warum so viele Übergewichtige einen weniger hohen Energiebedarf haben als Schlanke. In einem schlanken Körper wird nicht übermäßig Leptin produziert, nur bei Bedarf. Und dann wird die Produktion wieder abgeschaltet bis zur nächsten Mahlzeit. Die Signale werden bei jeder Mahlzeit vom Gehirn gehört, also bleibt der Stoffwechsel auf einem normalen Niveau. Das Gehirn weiß, es gibt genug Reserven. In einem übergewichtigen Körper hat das Gehirn den Stoffwechsel vielleicht schon mehrmals heruntergefahren – je mehr Fett wir auf unseren Hüften angesammelt haben und je mehr Leptin produziert wurde.

Das Leptin wird in dieser übermäßigen Menge nicht mehr wahrgenommen, weil das nicht vorgesehen ist. Es ist wie ein unerwünschter Besucher, der ständig anklopft oder klingelt, bis man die Klingel abstellt. Und dann beschwert man sich, dass einen keiner mehr besucht, weil man die Klingel nicht hört. wink So geht es dem Gehirn auch. Überschreitet das Leptin ein gewisses Maß, wird es praktisch zum unverwünschten Besucher. Die Kommunikation mit dem Gehirn wird abgestellt. Und dann denkt das Gehirn, der Körper hat keine Energie mehr, und der Mensch muss essen, obwohl er so viele Reserven angesammelt hat, dass er das gar nicht bräuchte.

Jedes Mal, wenn wir essen, wird Insulin produziert und gleichzeitig auch Leptin. In einem gesunden Körper funktioniert das hervorragend. Das Insulin sorgt dafür, dass die Nahrung in die Zellen transportiert wird, wo sie gebraucht wird, und das Leptin meldet: „Okay. Genug. Kannst aufhören.“

Was aber passiert, wenn wir die Signale des Leptins nicht mehr hören? Logisch. Wir haben ständig Hunger, obwohl wir schon längst genug gegessen haben. Das Insulin kann sich auch nicht zur Ruhe setzen, wie es das normalerweise so ca. eineinhalb Stunden nach einer Mahlzeit tun würde, wenn es den Blutzucker in die Zellen transportiert hat, sondern muss weiter produziert werden, da es ja kein Stoppsignal gibt. Sobald wieder Nahrung zugeführt wird, muss das Insulin seinen Job machen.

Deshalb ist es so verheerend, wenn empfohlen wird, mehr als dreimal am Tag zu essen. Wenn wir alle ein, zwei oder drei Stunden etwas essen, kommt das Insulin nicht zur Ruhe. Es können auch keine Fettreserven abgebaut werden, um die Zeiten des Nichtessens zwischen den Mahlzeiten energiemäßig zu füllen, denn es gibt ja praktisch keine Essenspausen. Darum funktioniert Schlank im Schlaf, wo empfohlen wird, zwischen den Mahlzeiten mindestens fünf Stunden nichts zu essen. Acht Uhr Frühstück, ein Uhr Mittag und sechs Uhr Abendessen, und alles ist in Ordnung. Dazwischen nichts. (Ich propagiere jedoch keinesfalls SiS, denn da werden nicht nur die Essenspausen empfohlen – was gut ist –, sondern auch, massenhaft zum Frühstück in sich reinzustopfen, was ich überhaupt nicht sinnvoll finde. Auch dass abends keine Kohlenhydrate mehr gegessen werden sollen, leuchtet nicht ein. Ich habe abgenommen, obwohl ich abends gern mehrere Scheiben Brot und auch mal Kartoffelpüree o.ä. esse. Ich denke, es ist wesentlich besser, sich nach seinem Körper zu richten und das zu essen, worauf man Appetit hat.)

Wenn man jedoch die ganze Zeit isst, ereilt das Insulin dasselbe Schicksal wie das Leptin: es wird nicht mehr gehört. Auch hier wieder neigt das Gehirn dazu, die Klingel abzustellen, wenn mehr als die erwartete Menge an hormoneller Information kommt.
„Du, ich hätte da 'ne ganze Menge Zucker, die ich gern abgeben würde.“ Das Insulin fährt mit seiner Schubkarre vor. „Wie ist es? Braucht die Leber was oder die Muskeln?“
„Ach, bleib mir doch vom Leib!“, antwortet das Gehirn. „Du kommst jetzt schon das dritte Mal, und es ist noch nicht mal Mittag! Kein Mensch braucht was!“

Die Tür wird zugeknallt – und dann wird alles in die Fettreserven geschoben.

Das Fatale daran ist, dass auf diese Art Diabetes Typ 2 entsteht, obwohl der Körper mehr als genug Insulin produziert. Statt aber die Insulinproduktion herunterzufahren – zum Beispiel durch Fasten – wird den armen Betroffenen dann auch noch zusätzlich Insulin gespritzt ab einem gewissen Zeitpunkt. Zudem wird ihnen zuvor noch geraten, alle zwei Stunden etwas zu essen. Also ein weiterer Baustein, der die Krankheit unterstützt. Statt dem Insulin Zeit zu geben, sich zwischen den Mahlzeiten zu beruhigen, wird es immer wieder getriggert.

Insbesondere Kohlenhydrate triggern das, leere Kohlenhydrate sind vor allen Dingen verantwortlich für diese Insulinepidemie, ein Vollkornbrot oder Obst schadet in normalen Mengen nicht. Fett hingegen ist ganz im Gegensatz zu dem, was uns jahrzehntelang erzählt wurde, vergleichsweise harmlos.

Es kommt aber immer auf die Menge und auf die Zusammensetzung der Nahrung an. Isst man beispielsweise viel Fett und Kohlenhydrate zusammen (Kuchen, Eis, Schokolade), kann das Fett nicht verbrannt werden, weil die Kohlenhydrate schon alle Energiebedürfnisse erfüllt haben, und somit wird das Fett dann auch eingespeichert. Fett allein ist kein Problem, also es darf ruhig das Vollmilchjoghurt sein und der vollfette Käse – solange Leptin und Insulin im Blut funktionieren und die hormonelle Balance in Ordnung ist.

Wenn die Hormone funktionieren, funktioniert auch das Abnehmen. Ohne dass wir Kalorien zählen, Kohlenhydrate, Eiweiß oder Fett beschränken.

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