Heute morgen direkt nach dem Aufstehen habe ich mir keinen Saft gemacht (obwohl ich das eigentlich vorgehabt hatte), sondern meinen üblichen Caffè Latte. Warum? Weil ich eine Cappuccino-Maschine habe, bei der ich nur einmal auf einen Knopf drücken muss, und schon ist mein Latte fertig. Einen frischen Saft herzustellen ist viel aufwendiger.

Gerade morgens ist Saft eine Herausforderung, stelle ich fest. Natürlich nicht der aus der Flasche, dem Tetrapak oder dem Plastikbehälter, wohl aber der, den man erst einmal mühsam selbst zubereiten muss. Leider sind Säfte, die man im Supermarkt kaufen kann, keine Alternative, denn die enthalten kaum mehr etwas von den Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien, die einen frischen Saft auszeichnen und so gesund machen.

Ich wollte einen Orangensaft trinken. Da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder mit der Saftpresse auspressen oder im Entsafter entsaften. Es gibt elektrische Saftpressen, damit ist Orangensaft relativ schnell hergestellt, aber ich habe keine, ich besitze nur ein Modell, bei dem man selbst mit der Hand den Saft herauspressen muss. Will man Orangen im Entsafter entsaften, muss man sie erst einmal schälen und möglichst viel von der weißen Unterschicht entfernen, denn entsaftet man die mit, wird der Saft eventuell recht bitter.

Leider brauche ich morgens eine Weile, bis ich wachwerde, und allein die Vorstellung, mir jetzt vier, sechs oder acht Orangen auf die eine oder andere Art zu entsaften, ließ mich aufstöhnen. Also doch wieder Kaffee.

Ich denke, das ist bezeichnend, und viele Leute werden das nachvollziehen können: Ein gesunder Lebensstil mit viel Obst und Gemüse ist mit wesentlich mehr Arbeit verbunden als ein krankmachender Lebensstil. Der Lebensstil, der uns dick und krank macht und dem Tode frühzeitig nahebringt, ist leicht mit „Convenience Food“ zu erreichen, oder übersetzt: mit Bequemlichkeit.

„Convenient“ ist alles, was wenig Arbeit macht: Fertiggerichte, Fast-Food-Ketten, die schnelle Tiefkühlpizza (alternativ auch die vom Italiener gelieferte frische Pizza, die nur an der Haustür abgegeben wird, ohne dass wir vorher einen Schritt tun müssen, um dafür einzukaufen oder sie zuzubereiten), Pommes Frites aus dem Backofen, Süßigkeiten, die man in großen Mengen im Schrank aufbewahren und bei jeder (un)passenden Gelegenheit gleich in ganzen Packungsgrößen vertilgen kann, um sich möglichst schnell möglichst viele Kalorien zuzuführen. Sehr „convenient“, wirklich.

Aber – wie ich heute morgen am eigenen Leib erfahren habe – Vernunft hält uns nicht davon ab, unserer Bequemlichkeit zu folgen. Das ist einfach menschlich. Deshalb sollten wir uns auch keine Vorwürfe machen. Das wäre kontraproduktiv und würde nur dazu führen, dass wir uns wie Versager fühlen, uns selbst fertigmachen und vor lauter Frust noch mehr „Convenience Food“ in uns reinschaufeln.

Nein, wir sind keine Versager, wir sind Lernende. Ist ein Kind, das in der ersten Klasse mühsam die ersten Buchstaben malt, ein Versager? Ganz bestimmt nicht. Es hat nur noch nicht die Technik des Schreibens gelernt. Aber was ist in der zweiten, dritten, vierten Klasse oder wenn man dann erwachsen ist? Denkt man da noch darüber nach, wie man schreibt? Nein. Man kann es einfach.

So ist es auch mit einem gesunden Lebensstil. Wer das Glück hat, schon als Kind dazu erzogen worden zu sein, empfindet den Aufwand des Gemüseschnippelns oder Obstschälens und – schneidens oder Entsaftens vielleicht gar nicht als so groß, macht es ganz automatisch und denkt nicht darüber nach, aber heutzutage kommen viele Menschen schon aus einem „Convenience“-Haushalt, in dem es normal war, alles fertig zu kaufen, um sich Arbeit zu sparen. Vater und/oder Mutter arbeiten, haben keine Zeit einzukaufen und zu kochen, und so lernt man schon von klein auf, dass man das nicht braucht. Es gibt ja alles in sofort essbereitem Zustand zu kaufen.

Ein Apfel ist natürlich auch „sofort essbereit“, aber leider ist Obst nicht das erste, woran wie denken, wenn wir etwas essen wollen. Wir wollen eine „richtige“ Mahlzeit und kaufen vielleicht einen fertigen Hamburger mit Cola und Fritten bei der Fast-Food-Kette um die Ecke. Das ist eigentlich überhaupt keine Mahlzeit, kein „richtiges“ Essen, aber wir empfinden es so, als ob es das wäre. Das ist nun einmal in den letzten Jahrzehnten zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wir denken gar nicht mehr darüber nach wie über die Buchstaben, die wir schreiben.

Vielleicht sollten wir in der Beziehung einmal wieder zu Erstklässlern werden, die ganz genau hinschauen müssen, um einen Buchstaben zu malen. Wir sollten ganz genau überlegen, was wir uns mit diesem „richtigen“ Essen antun. Man muss nur einmal in »Fat, sick and nearly dead« hineinschauen, wohin dieses angeblich so „bequeme“ Essen führt.

Es ist ja nicht allein das Übergewicht, obwohl man sich manchmal kaum vorstellen kann, wie Phil, der Lastwagenfahrer, überhaupt noch arbeiten kann mit seinem Gewicht. Obwohl in der Fahrerkabine eines LKWs sehr viel Platz ist, passt er kaum hinter das Lenkrad, sein Bauch berührt es schon, quillt schon fast darüber. Ob das verkehrstechnisch so besonders sicher ist?

Wenn es aber tatsächlich nur das Übergewicht wäre, könnte man sich damit noch arrangieren. Es ist nicht schön, so dick zu sein, aber man kann damit leben. Das Schlimme sind jedoch die Krankheiten. Wenn man so dick ist, könnte einfach mitten auf der Autobahn das Herz stehenbleiben, weil es es nicht mehr schafft, genügend Blut durch die Adern zu pumpen, da es seit Jahren ständig einen Marathon läuft, ohne Pause, und einfach erschöpft ist. Erhöhte Cholesterinwerte durch wertloses, aber fettes Essen verstopfen die Kanäle, die unser Körper zum Leben braucht. Erhöhter Blutdruck lässt uns schwindlig werden und frisst unsere Kapillaren von innen auf, lässt sie platzen, und erhöhte Zuckerwerte lassen unsere Gliedmaßen abfaulen. Man kann auch blind werden davon. Sehr „convenient“, wirklich. Ist das eine Pizza und ein Hamburger oder irgendeine süße Versuchung wert?

Das sind die üblichen Krankheiten, an die man vielleicht denkt, aber es gibt noch tausend andere. Jason Vale, ein „Saftpapst“ aus England, der das schon sehr viel länger propagiert als Joe Cross, hat ebenfalls eine Dokumentation gedreht, in der er acht Personen ausgewählt hat (aus vielen, vielen, die sich beworben haben), die so krank waren, dass diese acht(!) gemeinsam zweiundzwanzig(!) Krankheiten hatten. Einige hatten so eine lange Liste von Krankheiten, dass sie kaum auf den Bildschirm passten, als sie aufgeschrieben wurden.

Nach 28 Tagen Saftfasten haben manche gar keine Krankheiten mehr, abgenommen haben alle, die Schlanken wie die Dicken, und etliche, die zuvor zu krank waren, um auch nur einen Spaziergang zu machen, laufen jetzt Marathon. Beeindruckende Ergebnisse für so ein paar Tage im wunderschönen Portugal.

 

 

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